Studienfahrt nach Saarbrücken

Viele Mitglieder der Benvenuto-Cellini-Gesellschaft folgten der Einladung von Prof. Dr. Henry Keazor nach Saarbrücken, wo er seit einem Jahr am Institut für Kunstgeschichte der Saaruniversität lehrt. Die Landeshauptstadt des Saarlandes blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. 1909 entstand die heutige Großstadt aus drei Städten: dem barocken Saarbrücken, dem Handelsplatz St. Johann und dem industriell geprägten Malstatt/Burbach.
Es zeigte sich sehr schnell, dass Saarbrücken eine Reise wert ist. Schon in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof wurde die Gruppe mit den aktuellen Problemen vertraut gemacht.
Die ehemalige Saar-Galerie von Meinhard von Gerkan (1990) und das ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Königlich Preußischen Bergwerksdirektion Saarbrücken von Martin Gropius und Heino Schmieden (1877/1880) sollen zusammengefügt und einer neue Nutzung zugeführt werden.


Der Schwerpunkt der Stadtbesichtigung waren die unterschiedlichen aber qualitätvollen Architekturen aus verschieden Epochen. Nach dem Zusammenschluss zur Stadt Saarbrücken erfolgte der Neubau eines neogotischen Rathauses in den Jahren 1887-1900 von Georg Hauberisser.

Der Festsaal ist noch immer die "gute Stube" der Stadt und wird für Festveranstaltungen oder wissenschaftliche Tagungen genutzt. Saarbrücken pflegt, wie viele andere Städte auch, Partnerschaften mit europäischen Städten. Die längste Partnerschaft besteht mit der Stadt Tbilissi in der ehemaligen Sowjet-Union, wovon ein Wappen im Fenster des Festsaals Zeugnis ablegt.

Am Tbilissi-Platz steht seit 1938 das von Paul Baumgarten geplante Staatstheater, das nach Hitlers Plänen zum kulturellen Höhepunkt der Gauhauptstadt werden sollte, aber - da Saarbrücken die Finanzierungskosten zutragen hatte - bescheidener ausgeführt wurde und damit nicht des Führers Wohlgefallen erregte. Nach dem Krieg wurde es noch etwas bescheidener restauriert, lässt aber noch den neoklassizistischen Stil der Nazi-Zeit erkennen.

Aber Saarbrücken kann auch mit Bauten aus der älteren Vergangenheit aufwarten, die sorgsam gepflegt und erhalten werden. Barocke Blickachsen verbinden wichtige Gebäude z.B. Ludwigskirche mit der Schlosskirche.

Das Schloss Saarbrücken (Friedrich-Joachim Stengel / Gottfried Böhm: 1738/48 u. 1982/89) und dessen Rekonstruktion erregten vor Jahrzehnten die Gemüter der Fachwelt und der Bürger, aber auch die Cellinis führten die Diskussion darüber weiter. Die von Gottfried Böhm gewählte Formensprache des ausgehenden 20.Jahrhunderts stellt einen wesentlichen Beitrag zur Frage dar, wie zeitgenössische Ergänzungen gestaltet sein sollten.

Von der Rückseite wird die Entwurfsidee noch deutlicher sichtbar. Soweit noch Bauteile vorhanden waren, wurden sie verwendet. Die Ergänzungen erfolgten dann mit Glas und Stahl in Form einer Haube, die über das Bestehende gestülpt worden ist.

Die abschließend besichtigte Ludwigskirche vom Baumeister Friedrich-Joachim Stengel: (1762/65) zeigte von Außen die städtebauliche Einbindung in ein künstlerisches Gesamtwerk. Hier wird zurzeit darüber diskutiert, ob die ursprüngliche weiße Farbfassung wieder hergestellt werden sollte um die Ensemble - Wirkung zu erhöhen.

Im Innern präsentiert sich die Ludwigskirche in eleganten Formen und weißen Farben mit der für protestantische Kirchen typischen Altarkanzel.

 

Mit vielen neuen Eindrücken und ergiebigem Erkenntnisgewinn verabschiedete sich die Cel-lini - Gruppe von Saarbrücken und dankte Prof. Dr. Keazor für die gelungene Einführung in die kunstgeschichtlichen Themen der Hauptstadt des Saarlandes.